Nach einiger Zeit werde ich beim Zuschauen des Kinofilmes etwas unruhig:
„Nehme sie doch mal in den Arm!“
„Gebe ihr zu verstehen: Ich bin für dich da!“
„Frage endlich nach: Wie geht's dir?“
„Gönnt euch etwas Schönes und Unbeschwertes!“
Die Jalousien, die sich Tag für Tag morgens und abends auftun bzw. schließen, sind ein Bild für den Alltag einer 30 Jahre langen, abgekühlten Partnerschaft im Kinofilm „Dann passiert das Leben!“: Man hat sich nicht mehr viel zu sagen. Man lebt aneinander vorbei. Man lebt nebeneinander her. Alles hat seine Geschichte und Entwicklung und Berechtigung. Wir kennen das!
Der Film gewinnt an Dynamik durch ein Unglück, das über die beiden Rita und Hans plötzlich hereinbricht. Wie gehen die beiden damit um? Der Riss zwischen den beiden scheint sich weiter und größer, mehr denn je aufzutun: Rita stürzt in eine existenzielle Krise, der tödliche Unfall bricht ihr das Herz; der Ehemann handelt weiterhin rational und abgeklärt.
Gelingt es den beiden, irgendwie ein neues Gefühl der Verbundenheit und Vertrautheit herzustellen? Können sie über ihren eigenen Schatten der Abneigung und Interesselosigkeit springen? Erfahren sie inmitten von Trauer, Schuld und Hilflosigkeit Momente der Menschlichkeit?
Der Handlung des Films zeigt: Es geht! Es gelingt –so gut es irgendwie momentan geht! - Rita und Hans liegen beieinander. Die Rollläden bleiben oben und das Mondlicht scheint in das Schlafzimmer.
Ich wünsche uns solche Momente des wundervollen Gelingens und des gemeinsamen Glücks, einander zu haben und füreinander dazu zu sein – Weihnachten entgegen. Bleiben Sie behütet!
Stefan Fleischmann, leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Hofer Land
Erzbistum Bamberg

