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Vom Singen, das zum Beten wird

23. Dezember

Wenn im Advent Musik durch den Raum steigt, wird etwas deutlich, das über schöne Klänge hinausgeht: Man spürt eine Gegenwart, die das Herz weitet. Als Sänger erlebe ich in den Proben, bei Konzerten und beim liturgischen Dienst im Augsburger Dom, wie das gemeinsame Singen zu einer verlängerten Form des Gebets wird; Atem füreinander, Hören auf das Wort, Ehrerbietung vor dem Geheimnis der Menschwerdung.

Ein besonderer Fixpunkt in der Adventszeit ist für mich das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. In diesem Werk begegnen sich biblisches Erzählwort und kirchliche Dichtung auf eine Weise, die zugleich überwältigend, jubelnd und doch zutiefst innig wirkt. Der große Eingangschor lässt schon mit seinem mächtigen „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ den festlichen Glanz der Weihnachtsbotschaft aufstrahlen.

Und doch sind es oft die ruhigen, erzählenden Rezitative des Evangelisten und die vertrauten Choräle, die das Geheimnis der Geburt Christi noch einmal neu und sehr persönlich ins Hören bringen. Man spürt dort ein sensibles Zusammenspiel von Wort, Klang und Glaube, das in der Liturgie seinen eigentlichen Wohnort hat und uns hilft, die Weihnachtsgeschichte nicht nur zu kennen, sondern innerlich nachzuvollziehen.

Als Mitwirkender kann ich sagen, dass das Singen des Oratoriums zur Verkündigung der Heiligen Schrift wird. Es geht nicht darum, die Texte zu erklären, sondern sie in ihrer Tiefe hörbar, erfahrbar und im besten Sinne spürbar zu machen. Wer in diesen Tagen (nach Augsburg am 14. Dezember 2025) zu den Aufführungen kommt, erlebt daher weit mehr als ein Konzert. Man spürt eine tragende Gemeinschaft, eine besondere Aufmerksamkeit füreinander und die leise Einladung, sich inmitten des vorweihnachtlichen Trubels neu auf den Advent und seine Verheißung einzustellen.

Man spürt, dass diese Musik nicht nur unterhält: Sie sammelt, sie hält, sie führt in eine Stille, in der das Evangelium seinen Raum findet.

So wird der Advent zu einer Zeit des Hörens und Teilens: aufeinander, auf die Musik und auf das göttliche Wort, das unsere Herzen neu stimmt. Möge dieser Advent erleichternde Nähe schenken im Gebet, im Singen und im Lauschen.

Nicolas Schwandner, Domsingknabe in Augsburg

Bistum Augsburg

Foto: Leander Stork / pba

Der Blick durch den Türschlitz

23. Dezember

Heute möchte ich sie an einer Erinnerung aus meiner Kindheit am Weihnachtstag teilhaben lassen. Die Tür zum Wohnzimmer war schon verschlossen und mit großer Neugier stand ich davor. Ich wartete auf das Christkind. Und hatte Angst, dass es nicht kommt, weil es so viel zu tun hat.

Mein älterer Bruder - der zu dem Zeitpunkt schon wusste, dass das Christkind nicht vorbeifliegen wird - hat sich dann auf den Boden gelegt und durch den Türschlitz geschaut. Auf einmal sprang er auf und sagte voller Freude: Ich habe gerade das Christkind gesehen, es war ganz hell, leuchtend und strahlend!

Ich war glücklich und hab ihm fest umarmt. An diesen Moment denke ich immer wieder gerne zurück, wenn ich an Weihnachten denke. Mein Bruder hat mir Hoffnung und Freude geschenkt. Sind das nicht wunderbare Weihnachtsgeschenke?

Sabine Müller, Stellvertretende Leiterin Telefonseelsorge Passau

Bistum Passau

Foto: Wolfgang Bayer / pbp