Ein Ethikkonsil war einberufen worden. Die Ärzte waren noch uneins bezüglich des interdisziplinären Vorgehens sogleich nach der Geburt. Es würde eine palliative Situation werden, das war klar. Die schwerwiegende syndromale Erkrankung des Ungeborenen ließ nichts anderes erwarten. Das Kind würde bald versterben. Vielleicht schon im Mutterleib oder dann bestimmt bei seiner Geburt. Auf keinen Fall würde es die eigene Geburt länger überleben. Wie sollte also zum besten Wohl des Kindes die ärztliche Behandlung erfolgen, unter Berücksichtigung verschiedenster Bedingungen?
Die zunächst noch Schwangere fühlte sich angekommen, endlich. In den Wochen zuvor war sie zusammen mit ihrem Mann in verschiedenen Geburtskliniken gewesen, doch nirgends war es den beiden wohl ergangen. Sie erhielten nicht die erhofften Perspektiven für ihr sterbendes Kind. Sie waren doch gläubig und wollten ihrem geliebten Kind die begrenzte kostbare Zeit geben. Und zuinnerst wünschten sie sogar, dass es getauft werden könnte, falls es die Geburt überlebt.
Genauso kam es dann. Das Kind wurde per Kaiserschnitt lebend zur Welt gebracht. Der Klinikpater, selbst im grünen OP-Gewand, hielt sich bereit und taufte das Neugeborene noch im OP-Saal. Die Eltern kosteten die Zeit. Sie hielten ihr Baby, so kurz es lebte, sehnsüchtig in Armen, und verabschiedeten es mit Tränen und doch auch getröstet. „Wissen Sie, auf welchen Namen wir unser Kind getauft haben?“, fragte mich die Mutter bei meinem Besuch am nächsten Tag. „Wir haben unseren Buben Immanuel genannt, Gott mit uns, denn er war mit uns. Es war eine Gotteserfahrung. Und wir haben hier in der Klinik Herberge gefunden.“
Luitgard Biederer-Wutsios, Seelsorgerin in der Kinderklinik St. Hedwig Regensburg
Bistum Regensburg

