Eigentlich hatte ich mit meiner Frau im Urlaub auf einer Insel nur einen Spaziergang gemacht. Doch als wir ein bisschen vom Hauptpfad abbogen, informierte uns eine Tafel, dass wir uns jetzt auf dem Seelenpfad befinden. Ein Meditationstext und ein Lied luden zum Innehalten ein. Wir waren neugierig und folgten dem Pfad weiter. Doch der endete bald in undurchdringlichem Gestrüpp. Uns blieb nichts anderes übrig, als wieder umzukehren.
Eine Sackgasse: Ist das typisch für die Seele? Sie ist ja medizinisch nicht nachweisbar. In der heutigen Zeit bevorzugt man den Begriff „Psyche“ und verbindet damit in der Regel eher Probleme und Störungen. Doch „Beseelt sein“ ist etwas Schönes und hat viel mit Antriebskraft und Identität zu tun. In manchen Zeiten ist mir der Zugang erschwert, wie bei einer Quelle, die verschüttet ist und dann wieder freigelegt werden muss.
Ruhige Momente können da eine Hilfe sein. Ob das in den geprägten Zeiten des Kirchenjahres Ostern, Pfingsten oder Weihnachten ist, ob das eine Meditation, ein Rorategottesdienst, ein gutes Gespräch oder ein Spaziergang durch den Wald oder über eine Insel ist, ist eigentlich egal. Wo eben noch Alltag war, kann sich schnell ein Seelenpfad auftun, der beim Freilegen der Quelle hilft. Hier und da sind wir dann auch auf unserer Insel auf weitere Impulse für die Seele gestoßen, zum Glück.
Burkard Vogt, Redakteur im Medienhaus der Diözese Würzburg
Bistum Würzburg

