Typisch Mama. Wenn ich früher als Kind mit meiner Mutter verreist bin, und wir uns die Sehenswürdigkeiten einer Stadt angeschaut haben, da hat sie mich immer gefragt: „Bist du glücklich?“
Da schwang so ein bisschen Unsicherheit mit drin. Ob mir das tatsächlich gefällt, was wir da sehen.
Später wurde das zu einem Running Gag: „Bist du glücklich?“ fragte sie mich bei jeder Gelegenheit – nicht nur wenn wir in einer neuen Stadt waren, sondern auch einfach mal so: Beim Einkaufen. Wenn wir sie zum Essen eingeladen haben. Vor den Pflegerinnen im Seniorenheim. Und mir war das dann ziemlich peinlich.
Heute fragt sie mich das nicht mehr. Sie ist vor drei Jahren verstorben. Aber heute möchte ich eine Antwort geben: Ich lebe in einer Zeit, in der ich mein Leben genießen kann. Ich lebe in einem Land, das mir Sicherheit gibt. Um mich herum leben Menschen, mit denen ich lachen und weinen kann. Ich habe eine Arbeit, ein Dach über den Kopf. Ein bisschen Luxus, nicht zu viel. Ich sehe die Not in dieser Welt und weiß: Ich muss etwas tun. Und ich spüre ich die Solidarität mit vielen anderen, die nicht müde werden, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als wir sie vorfinden.
Also Mama: „Ja, ich bin glücklich!“
Bernhard Löhlein, Redakteur in der Stabsstelle Kommunikation
Bistum Eichstätt

