„Jetzt ist schon wieder der Advent da!“ Mehrmals höre ich diesen Satz jedes Jahr – und auch mir geht es manchmal so, dass ich von der herannahenden Adventszeit beinahe überrascht werde. Dabei würde der tägliche Blick in den Kalender ja eigentlich diese Überraschung vorbeugen. Und doch hat man oft das Gefühl, dass die Zeit gerade zum Ende des Kalenderjahres hin immer schneller vergeht. Mit den vielen Aufgaben und Erledigungen, die im Advent anstehen, kommt in manchen Menschen vielleicht auch der Wunsch auf, die Zeit möge schneller vergehen, damit dann an Weihnachten die vermeintlich stille Zeit endlich anbrechen könne.
Sich vom Advent überraschen lassen – da liegt auch eine große Chance drin. Für Kinder ist die Adventszeit oft geprägt von Staunen. Erwartungsvoll den Adventskalender öffnen, den ersten Schnee spüren und mit großen Augen die Kerzen und Lichter betrachten. Sich von kleinen und großen Dingen überraschen lassen: Das schafft einen Moment Stillstand in dieser so schnell dahinrasenden Zeit. Sich überraschen lassen - das können wir auch als Erwachsene noch, wenn wir es zulassen. Bewiesen haben mir das vor kurzem einige Menschen, die sich vor den zahlreichen Lichtern einer herabhängenden Lichterkette an einem Café fotografieren ließen. Etwas irritiert ging ich erst vorbei, weil mir nicht klar war, was denn an einer Lichterkette so besonders sein kann. Dann blieb ich aber doch stehen und sah mir die Szenerie an: Die warmen Lichter tauchten ihre Umgebung in eine ganz besondere Atmosphäre. Wie schön, dass sich diese Menschen von diesen Lichtern einfangen ließen und ins Staunen kamen! Sie haben dafür gesorgt, dass ich nun mit anderen Augen an diesem Café vorbeigehe – und mich auf jede Überraschung freue, die dieser Advent für mich bereithält.
Florian Kandler, Referent für Sakramentenpastoral und Ehe Familie Kinder
Bistum Passau

