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Und diese fünf Minuten, die nehm‘ ich mir!

22. Dezember

Im Herbst dieses Jahres waren wir mit unseren Firmlingen zu Beginn der Firmvorbereitung für eine Übernachtung auf Firmwochenende weg. Dabei ging es viel um das Thema „Gemeinschaft“ und natürlich ansatzweise auch schon um die Firmung selbst. Fehlen durften aber auch spirituelle Elemente nicht. 

Ein Element ist dabei, ein bisschen in die Stille und zu sich selbst zu finden. Wir trafen uns also zum Abendausstieg im Meditationsraum des Jugendhauses. Angeleitet durch ruhige Musik und eine Spiegelmeditation, in der es auch um das Betrachten des eigenen Gesichtes geht, war der Plan, dass die Jugendlichen eben ein bisschen Ruhe und zu sich selbst finden konnten. 

Wie das oft so ist mit Plänen, funktionieren sie nicht immer so, wie in diesem Fall ich mir das vorgestellt hatte. Die Stimmung war eher leicht unruhig und sobald es ihnen möglich war, verließen die Jugendlichen den Meditationsraum eher lautstark. Das Angebot, noch sitzen zu bleiben und etwas der Musik zuzuhören, wurde, so dachte ich, erst gar nicht angenommen. Doch als ich mich im nur ganz wenig beleuchteten Raum umsah, saß dort noch einer der Jugendlichen. Er war in sich gekehrt und wirkte, als nähme er alles um sich rum gar nicht wirklich wahr. 

So saßen wir dann noch eine ganze Weile bei meditativer Musik und auch ich konnte mich in der Ruhe etwas entspannen. 

Das Beispiel diese Jugendlichen zeigte mir, dass doch auch die Firmlinge es immer wieder genossen, etwas Zeit und Ruhe nur für sich selbst zu haben. Spannenderweise kam auch bei erstaunlich vielen bei der anonymen Reflexion, dass sie die Zeit der Meditation als sehr gut oder sogar noch als zu kurz einschätzten. 

Dieses Bedürfnis nach Ruhe und etwas Zeit für sich selbst kennen ja nicht nur unsere Firmlinge. Die meisten Menschen sehnen sich immer wieder nach solchen Momenten. Und das ganz besonders in der Adventszeit.

Egal, ob wir die Zeit so richtig für uns zur Vorbereitung auf Weihnachten nutzen oder wir erschlagen werden von einer Weihnachtsfeier nach der anderen. Ein kleines Ritual, das mir hilft, (fast) jeden Tag ein bisschen Ruhe und Zeit für mich zu haben ist es, die Kerzen an meinem Adventskranz anzuzünden, meine Adventskalender zu lesen, ein Lied von meiner Adventsplaylist zu hören oder einfach nur ein paar Minuten in die Kerzen zu schauen.

Und diese 5 Minuten, die nehme ich mir. 

Bistum Passau
Teresa Aigner
Pastoralreferentin im Pfarrverband Bad Birnbach

Probier‘s mal mit Gemütlichkeit  (Dschungelbuch: Balu, der Bär)

22. Dezember

„Dann wünsche ich Ihnen einen gemütlichen Advent!“, verabschiedet mich meine Friseurin Ende November nach dem Haareschneiden. Ich bin irritiert: „Ja, danke, ihnen auch! Bis zum nächsten Mal!“

Einen gemütlichen Advent hat mir, glaube ich, noch niemand gewünscht. Ok, einen besinnlichen, frohen und schönen Advent, das kenne ich, aber gemütlich?

Je länger ich darüber nachdenke und mir das vorsage, desto sympathischer fühlt sich es an. „Gemütlich“ ist ein schönes Wort und weckt angenehme Erinnerungen: Ich denke an mein Sofa in der Wohnung, an einen Abend ohne Termin, Telefon oder PC, an die gemeinsame Einkehr nach einer Wanderung mit Freunden.

Aber zugegeben: Die Zeiten sind eher ungemütlich: Der Krieg in der Ukraine, die Gewalt in so vielen Ländern, der Pflegenotstand, das Erdklima, der Glubb nur knapp über den Abstiegsplätzen, allmächd! All das kann einem gehörig aufs Gemüt schlagen. Aber Gemütlichkeit heißt nicht, diese Wirklichkeit auszublenden. Es geht wohl eher um einen anderen, tieferen Blick.

Der Mystiker Johannes Tauler, der vor siebenhundert Jahren lebte (1300-1361), schreibt vom Gemüt als einer „herrlichen Sache“. Im Gemüt sind alle Kräfte vereint. „Wenn es mit dem Gemüt recht steht, so steht es mit allem anderen recht. Im Grunde, auf dem Boden des Gemütes, liegt das Bild Gottes im Menschen verborgen.“

Unter allem, was sich im Laufe der Jahre darüber abgelagert haben mag an Kränkung, Enttäuschung und Sorgen, trägt jeder und jede von uns das Bild Gottes in sich. Es sich gemütlich machen, heißt, sich die Wirklichkeit anschauen, die wir sind als Gottes Eben-Bild: Wir tragen Gottes Bild in uns! Und Gott selbst wählt es, Mensch zu werden und zu sein in Jesus Christus – eine göttliche Ermutigung zum Leben! In diesem Sinne Ihnen allen ein gemütliches Weihnachtsfest und frischen Lebensmut im neuen Jahr!

Erzbistum Bamberg
Markus Bolowich
Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Nürnberg Mitte-Nord-West